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Feb
20 2019

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Akkreditierung eines technischen Büros als Inspektionsstelle


Ein technisches Büro wurde erst Ende 2018 gegründet und ist gerade dabei, im Bereich der Deponieverordnung, erste Aufträge abzuwickeln. Ein QM-System nach 17020 ist bereits aufgebaut und wird umgesetzt. Das Unternehmen verfügt über zwei Mitarbeiter:  ein Mitarbeiter bringt Erfahrung im Inspektionsbereich und ein Mitarbeiter nur im Prüfstellenbereich.

Die Ausgangssituation wirft einige Fragen auf:

  • Hat das Unternehmen eine Chance, dass jetzt der Akkreditierungsantrag von der Akkreditierungsstelle akzeptiert wird und eine Akkreditierung möglich ist?
  • Gibt es irgendwelche Kriterien, wie lange ein Unternehmen existieren muss, damit es akkreditiert werden kann?

Zur Beantwortung dieser Fragen ziehen wir einen der Leitfäden der Akkreditierung Austria zu Rate. Im Leitfaden L05 “Akkreditierungserfordernisse” (Ausgabe 20170929) werden die Grundlagen für den Akkreditierungsantrag geregelt.

Die Erfordernisse nach diesem Leitfaden beinhalten keine Anforderungen an die Betriebsdauer einer Inspektionsstelle. Allerdings muss eine gewisse (keine bestimmte) Zeit der Erfahrung im beantragten Inspektionsbereich vorliegen, da ansonsten kein internes Audit, Witnessaudit und keine Managementbewertung über die Leistungen der Inspektionsstelle durchgeführt werden kann.

Eine Anforderung an die Mindestanzahl der Mitarbeiter ergibt sich durch eine Festlegung im Leitfaden L30 Deponieverfahren (Ausgabe 20151005), darin wird im Punkt 4 Folgendes gefordert: “Eine Inspektionsstelle muss zumindest über zwei kompetente Mitarbeiter bezüglich der akkreditierten Inspektionstätigkeiten verfügen, daher sind Ein-Personen Inspektionsstellen nicht akkreditierbar.”

Für die erstmalige Akkreditierung als Inspektionsstelle sind die folgende, grundsätzlichen Unterlagen an die Akkreditierungsstelle zu übermitteln:

-       Antrag auf Akkreditierung gemäß 17020:2012

-       Nachweis der antragstellenden Rechtsperson:

  • Auszug aus dem Firmenbuch
  • oder Vereinsregister; wenn nicht vorhanden allenfalls
  • Kammerzugehörigkeit für Einzelunternehmen (Ärzte, Tierärzte, Ziviltechniker o.ä.)

-       Organisationsdaten inklusive aller Standorte gemäß Beilage 1 des L05 (siehe dazu Leitfaden L19)

-       Angaben über allfällige rechtliche, wirtschaftliche und/oder fachliche Nahverhältnisse zu Firmen,        Körperschaften oder sonstigen Institutionen

-       Qualitätsmanagementhandbuch (Anm. Ein QM Handbuch ist keine Forderung der 17020, dort gefordert ist die Dokumentation des Managementsystems in jedweder Art) inkl.

  • Organigramm der Stelle inklusive der Zuordnung des Personals und der übergeordneten Institution (sofern zutreffend)
  • Dokumentenliste (Verfahrens-/Arbeitsanweisungen)

-       Bericht über ein vollständiges Internes Audit (über alle Punkte der harmonisierten Anforderungsnorm) Anm. 17020:2012

-       Bericht über ein vollständiges Management-Review für ein gesamtes Geschäftsjahr

-       Liste des Schlüsselpersonals zugeordnet zu den Tätigkeiten im akkreditierten Bereich (siehe dazu Leitfaden L19)

-       Der Bestand einer aufrechten Haftpflichtversicherung ist vor der Ausstellung des Akkreditierungsbescheids Akkreditierung Austria nachzuweisen.

Zusätzlich sind für die Beantragung der Akkreditierung als Inspektionsstelle noch zusätzliche spezielle Erfordernisse zu erfüllen und nachzuweisen:

-       Inspektionsmatrix gemäß Beilage 3 des L05

-       Analyse zur Unabhängigkeit und die Festlegung des Typs der I-Stelle (A, B, C)

-       Liste(n) des beantragten Akkreditierungsumfanges. (Anm. siehe Leitfaden L30 Punkt 2) Die Liste ist per E-Mail in Form des bearbeiteten KSI_DAT_2015_I.mde Datenfiles zu übermitteln. Um die Vergleichbarkeit der Inspektionsverfahren zu gewährleisten, sind vorzugsweise internationale, europäische oder nationale Normen, Verordnungen oder Richtlinien der EU anzuwenden bzw. in nationalen Gesetzen oder in sektorspezifischen Dokumenten festgelegte Anforderungen als Inspektionsverfahren heranzuziehen. Selbst entwickelte Verfahren können nur akzeptiert werden, wenn es keine normativen Dokumente und/oder spezifische Regeln gibt. In diesem Fall müssen die Verfahren präzise beschrieben werden, aus dem Titel sollte schon hervorgehen, was, wie, mit welchem Verfahren u.dgl.m. inspiziert wird. Die eigenentwickelten Verfahren müssen volltextlich der Akkreditierungsstelle übermittelt werden.

-       Detaillierte Beschreibung der Inspektionstätigkeit

-       Nachweis einer vor Ort erfolgten Beobachtung jedes/jeder Inspektors/Inspektorin (gemäß EN ISO/IEC 17020:2012 6.1.9) für jedes zu akkreditierende Inspektionsverfahren (Witnessaudit)

-       Allfällige Prüfungen im Rahmen der Inspektionstätigkeit. Führt eine Inspektionsstelle selbst Prüfungen im Rahmen der Inspektionstätigkeit durch, so sind für diese Prüfungen die technischen Anforderungen an ein akkreditiertes Laboratorium (EN ISO/IEC 17025:2017 bzw. EN ISO 15189:2012 Punkt 5.) zu erfüllen und Akkreditierung Austria nachzuweisen. Hinweise: Wenn eine Inspektionsstelle Prüfungen nur im Rahmen der Inspektionstätigkeit durchführt, muss sie nicht zusätzlich als Prüfstelle akkreditiert werden. Es dürfen jedoch keine separaten Prüfberichte über die durchgeführten Prüfungen ausgestellt werden. Dafür ist eine Akkreditierung als Prüfstelle erforderlich.

Resümee: Grundsätzlich kann ein Unternehmen jederzeit um Akkreditierung ansuchen. Ob dies dann auch begutachtet wird, hängt von den Unterlagen ab. Ob die Akkreditierung nach Begutachtung ausgesprochen wird, ist abhängig von der Kompetenz des Unternehmens und seiner Mitarbeiter sowie der Umsetzung der Anforderungen aus dem Akkreditierungsgesetz, der Leitfäden und der Norm EN ISO/IEC 17020:2012.

Akkreditierung und Normanforderungen für Inspektionsstellen nach DVO

Dieses Thema wird im Jahr 2019 an zwei Termine im Mittelpunkt stehen.

Seminartermin: 19. März 2019 in Linz

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Seminartermin: 05. September 2019 in Wien

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