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Jan
13 2021

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Norminterpretation ISO 17025: 4.1 Unparteilichkeit

 

4.1 Unparteilichkeit

Die wichtigsten Anforderungen aus dem Normtext sind

  • objektive Durchführung der Arbeit

  • keine Beeinflussung der Mitarbeiter und der Organisation durch irgendeinen Zwang oder Druck

  • Risiken für die Unparteilichkeit sind unter Kontrolle

Die wesentlichen Ziele

Die wesentlichen Ziele dieses Normpunktes sind die objektive Durchführung der Arbeit, beziehungsweise die unbeeinflusste Mitarbeit und Durchführung der Prüftätigkeit durch die Mitarbeiter.

Außerdem darf es keine Beeinflussung der Organisation durch irgendeinen Zwang oder Druck geben und die jederzeitige Kontrolle über die Risiken für die Unparteilichkeit muss gewährleistet werden.

Die objektive Durchführung

Die objektive Durchführung der Prüftätigkeit steht im Mittelpunkt dieser Normanforderungen und selbstverständlich auch im Fokus der Kundenanforderungen eines jeden Prüflabors.

Dazu müssen die Prüftätigkeiten jederzeit objektiv (also unparteilich) durchgeführt werden und im Labor muss die Durchführung der Prüftätigkeiten in einer Form strukturiert und umgesetzt werden, sodass jederzeit die geforderte Objektivität (beziehungsweise Unparteilichkeit) gegeben ist.

Vorkehrungen

Dazu gibt es einige Vorkehrungen zu treffen:

  • An vorderster und erster Stelle muss sich die Leitung des Labors zur Unparteilichkeit (beziehungsweise Objektivität) bei der Prüftätigkeit verpflichten.
  • Weiters muss das Labor selbst für die Unparteilichkeit seiner durchgeführten Prüftätigkeiten verantwortlich sein. Das bedeutet, dass die Befugnis und Entscheidungsgewalt über die Durchführung der Prüftätigkeit beim Labor, beziehungsweise der Laborleitung, liegen muss.
  • Die Labororganisation muss dafür sorgen, dass die Unparteilichkeit aus kommerziellen, finanziellen oder sonstigen Gründen nicht gefährdet werden kann.

Risikoanalyse über die Unparteilichkeit

Dazu müssen die Risiken für die Unparteilichkeit des Labors, sofern sie vorhanden sind, laufend identifiziert werden.

Dafür bietet sich eine Risikoanalyse über die Unparteilichkeit und Objektivität aus den eigenen Tätigkeiten, aus den Beziehungen des Labors oder aus den Beziehungen des Personals an.

Nachdem nicht alle Beziehungen auch zwangsläufig ein Risiko für die Unparteilichkeit darstellen, muss das Labor jene Risiken identifizieren, welche die Objektivität und Unparteilichkeit des Labors gefährden und diese unter Kontrolle halten.

Beispiele für solche Beziehungen sind

  • gemeinsame Eigentümerschaft,
  • die Beziehungen der Leitung oder des Managements,
  • Beziehungen des Personals – insbesondere bei Nebentätigkeiten –
  • aber auch gemeinsam mit Kunden genutzte Ressourcen.
  • Weitere Risiken stellen finanzielle vertragliche Verpflichtungen, wie etwa Provisionszahlung oder Prämien für die Kundengewinnung, dar.

Diese Liste ist beispielhaft und sollte von jedem Prüflabor bei der Risikoanalyse entsprechend erweitert werden.

Wie oben bereits angeführt muss das Labor jederzeit nachweisen können, wie ein Risiko für die Unparteilichkeit unter Kontrolle gehalten, minimiert oder beseitigt wird.

Vielfach werden sich die Risiken für die Unparteilichkeit auf einige wenige Risiken beschränken. Diese sollten bereits im Vorfeld einer Auftragsannahme entsprechend identifiziert und eliminiert werden.

 

Quelle ISO 17025:2017

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