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Mar
28 2019

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Validierung von Prüfverfahren

Basics

Validierung oder Validation (von lateinisch validus ‚stark‘, ‚wirksam‘, ‚gesund‘) ist der Nachweis der Reproduzierbarkeit eines Ergebnisses aus einer beschriebenen Vorgehensweise unter definierten Bedingungen. Je exakter eine Vorgehensweise beschrieben ist (wenige unbekannte Einflussfaktoren), desto sicherer ist es, übereinstimmende Resultate zu erzeugen. Für eine Validierung benötigt man die Beschreibung des Zieles und des Weges. Valide bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Weg wiederholbar zum Ziel führt.

Die Validierung ist nicht zu verwechseln mit der Verifizierung. Vereinfacht gesagt ist die Verifizierung die Bestätigung der korrekten Verwendung einer Methode (Erfüllung der Anforderungen) und die Validierung ist eine umfangreiche Untersuchung mit dem Ziel nachzuweisen, dass die Methode korrekt (Erfüllung der Anforderungen für einen Verwendungszweck) ist.

Definitionen

  • Validierung ist „die Bestätigung durch objektiven Nachweis, dass die Anforderungen für eine bestimmte Anwendung oder einen bestimmten Gebrauch erfüllt sind“.

  • Verifizierung ist „Bestätigung durch einen objektiven Nachweis, dass Anforderungen erfüllt werden“.

Beispiele für eine Validierung

  • Datenvalidierung: in der Softwaretechnik die Prüfung der Eingaben vom Benutzer oder externen Datenquellen

  • Methodenvalidierung: Nachweis, dass eine analytische Methode für ihren Einsatzzweck geeignet ist

  • Reinigungsvalidierung: bei Reinigungsverfahren der Nachweis, dass Rückstände unterhalb einer gewissen Toleranz bleiben

  • Validierung (Informatik): Beweisführung, dass ein System die Anforderungen in der Praxis erfüllt

  • Validierung (Medizinprodukte): Beweis, dass ein Prozess oder ein System zur Produktion eines Medizinproduktes die Anforderungen im praktischen Einsatz erfüllt

  • Validierung (Pharmatechnik): Beweis, dass ein Prozess oder ein System zur Produktion eines Wirkstoffes reproduzierbar die Anforderungen im praktischen Einsatz erfüllt

  • Validierung (Statistik): Validierung oder Prüfung der Gültigkeit von Werten in der Statistik, auch Plausibilitätskontrolle.

Zweck

Einfach gesagt soll durch die Validierung von Prüfverfahren das Labor (Prüfstelle) nachweislich demonstrieren, dass das Prüfverfahren den festgelegten Anforderungen entspricht. Die Anforderungen können in Normen festgelegt sein, aber auch von Kunden oder in gesetzlichen Regulatorien festgelegt sein.

Validierung ist ein relativer Begriff und der Umfang sollte immer unter Betrachtung des beabsichtigten Gebrauchs der Ergebnisse gewählt werden.

Änderungen der EN ISO/IEC 17025:2017:

Die Anforderungen für die Validierung von Prüfverfahren und Kalibrierverfahren waren in der EN ISO/IEC 17025:2005 im Normpunkt 5.4.5 „Validierung von Verfahren“ festgelegt. In der neuen EN ISO/IEC 17025:2017 widmet sich Kapitel 7.2 „Auswahl, Verifizierung und Validierung von Verfahren“ der Thematik.

Der Inhalt hat sich auch mit der Überarbeitung der Norm nicht geändert, die Anforderungen der alten Norm sind im Wesentlichen geblieben. Mit der Einführung des Begriffs „Verifizierung“ wird der Umfang der Validierung einfacher und verständlicher definiert, zudem wurden Anmerkungen 1 und 2 geändert und die in Normkapitel 7.2.2.4 aufgelistete Aufzählung der Nachweise für die Validierung wurde erweitert:

a)das angewandte Validierungsverfahren;

b)die Spezifikation der Anforderungen;

c)die Bestimmung der Leistungsmerkmale des Verfahrens;

d)die erhaltenen Ergebnisse;

e)eine Erklärung über die Eignung des Verfahrens, in der seine Anwendbarkeit für den beabsichtigten Zweck beschrieben wird.

ANMERKUNG 1: Die Validierung kann Verfahren zur Probenahme, Handhabung und zum Transport von Prüf- oder Kalibriergegenständen umfassen.

ANMERKUNG 2: Die für die Validierung des Verfahrens genutzten Techniken können die folgenden oder eine Kombination daraus sein:

a)Kalibrierung oder Evaluierung der systematischen Abweichung und Präzision mithilfe von Bezugsnormalen oder Referenzmaterialien;

b)systematische Bewertung der Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen;

c)Prüfen der Robustheit des Verfahrens durch Variation der kontrollierten Parameter, wie z. B. Temperatur des Brutschranks, dosiertes Volumen;

d)Vergleich von Ergebnissen, die mit anderen validierten Verfahren erzielt wurden;

e)Vergleiche zwischen Laboratorien;

f)Ermittlung der Messunsicherheit der Ergebnisse auf der Grundlage des Verständnisses der theoretischen Grundlagen des Verfahrens und der praktischen Erfahrung mit der Durchführung des Probenahme- oder Prüfverfahrens.

Validierung, wie macht man das?

Eine gute Planung hilft viel Arbeit zu sparen, die technischen Möglichkeiten müssen vorhanden sein. Eine systematische Durchführung der Validierung ermöglicht eine effiziente und effektive Vorgangsweise:

  • Definiere die Anforderungen

  • Unterscheide zwischen dem Prüfverfahren, der Probenvorbereitung bzw. Probenaufbereitung und vergiss die Probenahme nicht!

  • Betrachte die Einflussfaktoren auf das Prüfverfahren (Equipment, Kalibrierung, Probenhandhabung, Prüfablauf, Interpretation und die Art des Ergebnisses)

  • Betrachte leicht veränderliche Faktoren (Umweltbedingungen, Ausbildung und Erfahrung der Mitarbeiter und wie oft das Verfahren in der Routine eingesetzt wird.

  • Dokumentiere und beschreibe die festgestellten Einflussfaktoren und wie die Faktoren bei der Validierung behandelt wurden. Auch die Bedingungen und Einschränkungen sollten beschrieben werden.

  • Eine neuerliche Validierung des Verfahrens ist notwendig sobald o.g. Anforderungen geändert werden. 

Die Validierungsprinzipien

  • Verwende wissenschaftliches Wissen und anerkannte Erfahrung, um die Validität (Gültigkeit) der Einflussfaktoren zu beschreiben. Z.B. Die Temperaturverteilung in Wärmekammern kann entweder berechnet werden (wissenschaftlich) oder durch Erfahrung aufgrund von Messungen in gleichen Umgebungen beurteilt werden (anerkannte Erfahrung).

  • Verwende Laborvergleichsversuche (Ringversuche), Eignungsprüfungen oder Referenzmaterialien um nachzuweisen, dass alle Schritte des Prüfverfahrens das richtige Ergebnis inklusive der Messunsicherheit im Arbeitsbereich liefern. Z.B. werden chemische Analysen derart validiert.

  • Bestimmung der statistischen Verfahrensmerkmale (Bestimmungsgrenze, Wiederfindungsrate, Präzision, Linearität, Arbeitsbereich etc.), Kalibrierung mit Bezugsnormalen oder Referenzmaterialien, Vergleich mit anderen Prüfverfahren

Unterschiedliche Arten von Prüf-Methoden

Die Vorgehensweise bei der Validierung hängt zum großen Teil von der Methode selbst ab, die validiert werden muss:

Normmethoden können als validiert betrachtet werden, wenn alle Faktoren und Bedingungen, die von der Norm vorgegeben werden, vom Labor/Prüfstelle erfüllt sind. Das betrifft vor allem die angegebene Messunsicherheit. Falls die Messunsicherheit in der Norm nicht behandelt wird, sollte das Labor/Prüfstelle die Messunsicherheit von sich aus abschätzen. Achtung, die korrekte Verwendung von Normmethoden muss ebenfalls durch einen objektiven Nachweis belegt werden.

Änderungen oder Erweiterungen dieser Methode sind manchmal sehr wichtig und innovativ für bestimmte Bereiche. Dabei muss darauf geachtet werden, dass für die Validierung wissenschaftliches Wissen und Erfahrung und eine gute Kompetenz der Mitarbeiter vorhanden sind und eingesetzt werden.

Inhouse Methoden müssen vom Laboratorium selbst validiert werden. Dabei ist aber immer eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu beachten, und natürlich sollte die Validierung dem Kundennutzen entsprechen. Meistens sind die Methoden aber Erweiterungen oder eine einfache Kombination bekannter Methoden.

Bei selten angewendeten Methoden steht die Aufrechterhaltung der Personalkompetenz beziehungsweise der Stand der Technik der Laborausstattung im Mittelpunkt.

Validiert ist, was auch dokumentiert wird:

Eine korrekte Validierung schließt die Dokumentation folgender Punkte ein:

  • Beschreibung der Anforderungen

  • Die Verfahrenskenndaten

  • Ergebnisse der Prüfung, dass die beschriebenen Anforderungen für einen bestimmten Verwendungszweck durch die Methode erfüllt werden

  • Eine Aussage zur Gültigkeit der Validierung

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